Willkommen bei Grapnel
Sehr geehrte Interessentin, sehr geehrter Interessent,
Charlotte.
Ich hoffe inständig, dass Du noch lebst. Ich bete, dass Du diese Botschaft irgendwann lesen wirst.
Damit du mir vergibst, für alles, was ich getan habe. Es tut mir so leid. Ich wollte niemals, dass es soweit kommt.
Das musst Du mir glauben. Charlotte, wir waren doch mal Freundinnen. Ich wünschte, wir wären wieder in Harvard.
Mit unseren wunderbaren Ideen im Kopf für Revolutionen. Bevor Tom uns gegeneinander ausgespielt hat.
Weißt Du noch, wie ich dachte, du hättest mir Tom ausgespannt? Wie wir uns gestritten haben. Wie ich dir
nicht geglaubt habe, dass du nicht wusstest, dass ich und Tom immer noch zusammen waren. Dieser Mann kann so charmant
sein. Er hat uns beide um den Finger gewickelt. Als wir schließlich darauf gekommen sind, haben wir uns gegen ihn
verschworen. Wollten ihn nie wieder in unsere Nähe lassen.
Und, obwohl wir uns wieder versöhnt haben,
war da doch dieser Riss zwischen uns. Klein, aber doch tief. Wir haben beide versucht, ihn zu ignorieren. Ich denke, Dir
ist das viel leichter gefallen. Du bist ein anderer Mensch. Bei mir war er aber immer noch nicht verheilt. Und genau das
hat Tom gesehen - und genutzt. Ich schäme mich so. Ich bin ein zweites Mal auf ihn hereingefallen. Er hat mir von
Dingen erzählt, die Du ihm damals über mich gesagt hast. Dass Du mich ständig hinter meinem Rücken
ausgelacht hättest, weil ich Dir so gehorcht habe. Weil ich Dir alles geglaubt habe und Dir und Deinen Ideen gefolgt
bin. Und es immer noch tue. Wie ein kleines Hündchen. Ich hab es ihm nicht geglaubt. Aber natürlich hat mich
das verletzt. Natürlich wurde ich wieder wütend. Ich wollte es Tom nicht zeigen - und auch nicht glauben.
Anfangs
war ich stark genug. Habe Widerstand geleistet. Gegen seinen Charme. Seine Worte. Aber irgendwann konnte ich einfach nicht
mehr. Ich habe nachgegeben. Ich wollte es dir heimzahlen. Mit seinen Mitteln. Charlotte! Hereingefallen wie ein kleines
dummes Schulmädchen bin ich auf ihn. Dieser Mann ist gefährlich! Weil er so gut manipulieren kann. Menschen
zu etwas anderem macht. Sie dazu bringt, schreckliche Dinge zu tun. Wie ich. Ich schwöre Dir: das war nicht die
wirkliche Marilyn, die Euch alle getäuscht hat. Dich vor allem. Aber auch die Navigatoren und ihre Phalanxen. Das
war eine fremde Frau, vor der ich nun tiefste Abscheu habe. Die neben mir sitzt, während ich diese Worte an dich
schreibe. Aber, all diese Sätze bringen nichts. Es ist eigentlich dafür zu spät. Ich weiß nur:
Ein
Schiff ohne Kapitänin wird seinen Kurs verlieren - und zerschellen.
Ich sage extra nicht auf Wiedersehen. Denn eines ist gewiss: nach all dem, was ich Dir, den Navigatoren und den Phalanxen
angetan habe, werde ich nicht wieder zurückkehren. Ich kann Euch nur etwas hinterlassen, als Beweis, dass auch in mir
irgendwo noch ein gutes Herz schlägt.
Lebt wohl.
Marilyn
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